Geschichte der Wuhlheide

1911–2007

Als das Gelände der Wuhlheide im Jahr 1911 durch die Stadtgemeinde Berlin vom Preußischen Forstfiskus abgekauft wurde, geschah dies mit den Nutzungsauflagen, das Gebiet als Wald bzw. Parkanlage zu belassen und für die Trinkwassergewinnung bereitzuhalten. Später übernahm der Zweckverband den Besitz, bis er 1920 in das Eigentum der Berliner Einheitsgemeinde überging. Erste Überlegungen zur Gestaltung eines Parks wurden durch den I. Weltkrieg unterbrochen. Unter der Leitung des Gartendirektors Ernst Harrich begann das Gartenamt Treptow ab 1919 mit den Planungen für den Volks- und Waldpark Wuhlheide. Als Initiator für die Anlage des Parks wurde 1921 die Stiftung „Park, Spiel und Sport“ gegründet. Mit deren Engagement und dem von Arbeitergewerkschaften und Vereinen sowie mit Hilfe der Tätigkeit vieler Arbeitsloser im Rahmen der Erwerbslosenhilfe wurde 13 Jahre gebaut, wobei erhebliche finanzielle Schwierigkeiten zahlreiche Improvisationen erforderlich machten.

Der erste Abschnitt konnte am 4. Juli 1926 der Öffentlichkeit übergeben werden. Dazu gehörten eine Sportwiese, die große Waldwiese, die Rodelbahn, der Heckengarten, der Sandspielplatz, das Planschbecken und als Sonderteil eine Blumenwiese. Die Arbeiten waren bis 1932 mit der Einweihung des Licht- und Luftbades im Wesentlichen abgeschlossen. Ein weiterer Sandspielplatz, die Badeanstalt und eine anschließende Wiese, die im Winter als Eislaufbahn dienen sollte, gehörten zu den letzten übergebenen Objekten. Auch der Waldfriedhof entstand etwa in diesem Zeitraum. Ernst Harrich konzipierte einen kombinierten Wald- und Volkspark, in dem landschaftliche Szenerien mit heimischen Vegetationsbildern nicht nur der Erholung dienen, sondern auch anschaulich Bildungswerte und somit eine Identifikation mit der heimatlichen Flora und Fauna vermitteln sollten. Bei der Gestaltung der Anlage orientierte er sich an der Topographie des Geländes mit dem Niederungsbereich der Rohrlake, einer Sanddüne und dem Wald mit seinem Jagdwegenetz aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Das im 18. Jahrhundert angelegte Eichgestell, mit einer Eichenallee eingefasst, bildet die zentrale Achse und den Hauptweg des Volksparks. Nördlich davon sind die Mehrzahl der Spiel- und Sportanlagen sowie Themengärten zum Teil in axialer Zuordnung disponiert, während südwestlich des zentralen Wegekreuzes Großer Sternplatz noch Rodelbahn und Heckengarten angeordnet sind. Mit einer Gesamtfläche von 175 Hektar erhielt Berlin den seinerzeit größten Volkspark. Er wurde von der Bevölkerung sofort angenommen. Besucherzahlen von 5.400 Personen an einem Wochenende waren keine Seltenheit.

Mit Einrichtung des Hauptquartiers der sowjetischen Streitkräfte an der Treskowallee wurden ab 1945 große Teile des Parks militärisches Sperrgebiet und über Jahrzehnte durch die Armee genutzt. Weitere Bereiche wurden zweckentfremdet und durch Müllablagerungen beeinträchtigt. Auf der Großen Volkswiese richtete man Kleingärten ein. Durch den Bau des Heidecasinos erfuhr der Bereich um den Heckengarten eine starke Veränderung. In der Nachkriegszeit erfolgten keine Aktivitäten, den Park in seiner ursprünglichen Struktur wieder herzustellen. Der intensiv genutzte Parkbereich wurde mehr und mehr nach Osten verlagert und ab 1950 zum Pionierpark umgestaltet. Nach Plänen von Lingner wurden Sportkomplexe, der Badesee und die Freilichtbühne errichtet. 1955 kam die Pioniereisenbahn hinzu. 1979 wurde mit der Entstehung des Pionierpalastes das ehemalige Forsthaus überbaut und 1984 das Zeltlager (heutiges Wagendorf Wuhlheide) im Wald eingerichtet.

Nach dem 03.10.1990 waren für das Gebiet bundesdeutsche Rechts- und Verwaltungsvorschriften anzuwenden und die Einzelflächen wurden entsprechend ihren Nutzungen verschiedenen Rechtsträgern zugeordnet. Ein Großteil wurde den Berliner Forsten zugeordnet, ein Teil dem bezirklichen Grünflächenamt und Sportamt, andere Flächen den Senatsverwaltungen für Bildung oder Kultur. Teile der Wuhlheide wurden in die Denkmalliste Berlins aufgenommen. Im Gebäude des FEZ, heute Europas größtes gemeinnütziges Freizeit-, Bildungs- und Erholungszentrum für Kinder, Jugendliche und Familien, wurde die Landesmusikakademie mit untergebracht und für beide zusammen eine gemeinnützige Betriebsgesellschaft des Landes Berlin gegründet. Weitere Standorte gingen an Freie Träger der Jugendhilfe und werden seitdem von ihnen betrieben (Naturfreundejugend, JAO etc.). Die ehemalige Pioniereisenbahn wurde von einer gGmbH übernommen, gegründet von mehreren Vereinen von Schmalspureisenbahnern und heißt heute Berliner Parkeisenbahn. Ursprünglich wurde beabsichtigt, bei der Park- und Waldpflege auch Pferde einzusetzen. Insofern wurde am Haus Natur und Umwelt (HNU) ein Pferdestall errichtet. Das HNU wird inzwischen durch die U.S.E. gGmbH (Union Sozialer Einrichtungen) betrieben.

Im Jahr 1993 beschloss das Berliner Abgeordnetenhaus, dass das Gebiet der Wuhlheide auf der Grundlage des vom Bezirk Köpenick erarbeiteten landschaftsplanerischen Gesamtkonzeptes von 1991 zu entwickeln sei. Mit Abzug der GUS-Truppen im Jahr 1994 und späterer Übertragung des Geländes an den Bezirk Köpenick waren die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, das jahrzehntelang militärisch genutzte Gebiet wieder in den Park zu integrieren. In den Jahren 2003 und 2004 standen dann auch die finanziellen Möglichkeiten zur Verfügung; die Militäranlagen wurden mit Hilfe von Fördermitteln der Europäischen Union abgetragen und das Gelände renaturiert. Es fanden und finden weiterhin Renaturierungsmaßnahmen statt, indem hier naturschutzrechtliche Kompensationsverpflichtungen realisiert und Parkgestaltungsmaßnahmen durchgeführt werden. Das Licht- und Luftbad wurde durch den Bezirk ebenfalls saniert. Auch der Verkehr wurde aus der Wuhlheide verbannt. Die Freilichtbühne wurde denkmalgerecht wieder hergestellt und nach Übergabe später an eine Veranstaltungsgesellschaft verkauft; sie wird seither als „Kindl“-Bühne betrieben mit max. 18 Veranstaltungen jährlich. Das ehemalige Thälmann-Stadion wurde als Sportfläche aufgegeben und darin der Modellpark Berlin-Brandenburg errichtet (Eröffnung Frühjahr 2007). In einigen Bereichen des historischen Volks- und Waldparks wurden vom Grünflächenamt unter Einsatz von ABM- und MAE-Kräften (1 s. unten auf dieser Seite) Gartenelemente freigelegt und restauriert. Durch die Berliner Forsten finden Maßnahmen zum natürlichen Waldumbau statt. Mit Zustimmung der Forstverwaltung wurde 2007 ein Kletterwald errichtet.

Eine Bürgerinitiative setzt sich seit Jahren für Erhalt und Entwicklung des historischen Teils der Wuhlheide ein. Die Pfadfinder/innen von Oberschöneweide führen jährliche Reinigungsaktionen in der Wuhlheide durch.

Auf dem Gelände des FEZ-Berlin entstand durch die Aktivierung einer Freifläche und den Umbau der Gewächshäuser in Nutz- und Schaugewächshäuser die Öko-Insel als Lehrgarten. In Kooperation mit dem Imker-Verband wurde ein Bienenhaus errichtet und mehrere Bienenvölker angesiedelt. Diese Anlage spielte eine wesentliche Rolle bei der Anpassungsqualifikation für Erzieher/innen in Kindertagesstätten. In das Angebot des FEZ wurden ökologische Bildungs- und Erlebnisprogramme aufgenommen. Ein Öko-Audit wurde durchgeführt, das u.a. die Abfalltrennung und den Einsatz von Elektrofahrzeugen auf dem Betriebsgelände zum Ergebnis hatte. Dazu wurden von einer Fremdfirma auf dem Dach Solarmodule eingebaut, deren Leistung im Foyer abgelesen werden kann. Ein Energie-Contracting wurde vereinbart, um den Wärme- und Stromeinsatz im Haus zu optimieren, ergänzt durch die aktuell laufende komplette energetische Sanierung des Gebäudes im Rahmen des 2. Umweltentlastungsprogramms (UEP II).

Darüber hinaus beteiligte sich die Einrichtung an der Erarbeitung der Lokalen Agenda 21 und ihrem Umsetzungsprozess im Bezirk.

2008–2013

Im Rahmen des BAER2FIT-Projektes(2) mit der Beuth-Hochschule (2008-11) wurden weitere Ideen entwickelt, so z.B. den Badesee biologisch zu klären und ein Niederschlagswassermanagement durchzuführen. Aktuell werden weiterhin versiegelte Flächen rückgebaut bzw. vorbereitet, z.B. für die Installation eines Minigolfplatzes auf dem ehemaligen Fesselflugplatz, und wird die ehemalige Clubgaststätte einer neuen Verwendung zugeführt. Hier gibt es Ideen von En Buenas Manos e.V., Kooperationspartner des FEZ im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung und Trägerverein des Bildungsprojekts „El Pan Alegre – Das Fröhliche Brot“, für den Bau einer Öko-Schau- und Lehrbäckerei. Als Entwicklungsmaßnahme im Bereich des Wirtschaftshofes ist die Errichtung eines Bettenhauses beabsichtigt, um die touristischen Optionen und Bildungsmöglichkeiten für auswärtige Besucher/innen zu erhöhen.

Im Verlauf der Jahre seit 1991 wurden durch den Bezirk weitere konkretisierende planerische Konzepte zur Entwicklung der Wuhlheide beauftragt. Das in den Jahren 2003 bis 2007 unter Einbeziehung aller beteiligten Behörden und Nutzer/innen sowie der interessierten Öffentlichkeit erarbeitete Nutzungs- und Strategiekonzept Wuhlheide wird unter dem übergeordneten Leitbild laufend fortgeschrieben, die sich aktuell ergebenden Anforderungen werden eingearbeitet. So soll ein Handlungsrahmen für die zukünftigen Planungen und Aktivitäten entstehen.

Ziel ist die Erhaltung und Entwicklung der Wuhlheide als innerstädtischer Grünraum mit hohen landschaftlichen Qualitäten als Ort für familienorientierte Freizeiteinrichtungen und überbezirkliche Naherholungsangebote. Als ein Ergebnis des Prozesses dieser vier Jahre wurde 2007 der Verein Pro Wuhlheide gegründet, dem alle wesentlichen Akteure in der Wuhlheide und Einzelpersonen angehören. Pro Wuhlheide e. V. will den Naturraum Wuhlheide unter Naturschutz- und denkmal-pflegerischen Kriterien sichern und entwickeln, aber auch durch dauerhaft gesichertes Park-management und Öffentlichkeitsarbeit einen Beitrag zum Imagegewinn und zur Nutzung des Areals durch die Berliner Bevölkerung leisten.

Die Qualitäten der Wuhlheide sowohl als Gartendenkmal, innerstädtischer Wald als auch schutz-würdiger Naturraum sind als die materiellen Grundlagen für die Erholungsnutzung unverzichtbar und im Sinne der nachhaltigen Entwicklung des Gebiets zu sichern. Bei konkreten Standortanfragen sind die wirtschaftlichen Interessen mit den planungs- und denkmalrechtlichen Bedingungen und den naturschutzrechtlichen Anforderungen in Einklang zu bringen.

Quelle: Porr, Fleischer, Mannkopf (06/2013): "Auf dem Weg ins PARADIES WUHLHEIDE - Masterplan für die Weiterentwicklung der Wuhlheide im Bezirk Treptow-Köpenick von Berlin"

(1) arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zur Wiedereingliederung in eine Beschäftigung
(2) IT-Anwendungen in Freizeitanlagen (BAER = Benutzerfreundlich, Artenreich, Effizient, Regenerativ): Forschungs- und Entwicklungsprojekt der Beuth Hochschule für Technik Berlin mit regionalen Partner/innen; Ziel ist die Entwicklung eines modernen Besucherinformationssystems durch die Verbindung von Facilitiy-Management und innovativen Informations- und Kommunikationslösungen